Rezension-Kollateraldesaster

Rezensionen zu Kollateraldesaster von A. B. EXNER

 

Lesermeinungen über Kollateraldesaster

Vielen Dank für diese tolle Rezension zu Kollateraldesaster an Rudy102 vom 04.02.2015

 

Handlung: Frieder Lachmann wird in eine Situation geworfen. Der Mann verdient sein Geld mit einer "Akustikdatenbank" die eine weltweite Sammlung von Tönen von Waffen und allerlei militärischem Gerät beinhaltet. Durch einen Zufall wird er Ohrenzeuge eines Waffentests.

Nachdem Ermittler auf ihn aufmerksam werden wird er zu einer der Hauptfiguren dieses anspruchsvollen Romans. Doch bevor der Leser in der Haupthandlung gefesselt wird, gilt es verschiedene, exzellent vorbereitete Handlungsstränge zu erfahren.

Dieser Ansatz die Story Schritt für Schritt zu beschleunigen, funktioniert. Das Buch wir immer rasanter. Der Leser ist von erster Seite an mitten in der Handlung. Dieses Tempo zu halten gelang Exner (nach meinem Empfinden) sehr gut.

Der Titel an sich ist ein Kunstwort welches für diesen Thriller nicht besser hätte entwickelt werden können.

 

Kurz zur Handlung: Es beginnt mit einem spektakulären Mord. Dann mit einem unerklärlichen Mord wird der erste (so denkt der Leser) Abzweig der Story inszeniert. Es folgt ein infamer Anschlag mit einem Maschinengewehr der einfach nur erschüttert. Jetzt setzen sich, einerseits zu spät, andererseits zu dezentral die Ermittler auf die Spur der Mörder.

Es knallt wo es knallen muss. Und es knallt nie vorhersehbar. Der aktuelle Bezug zu Pannen wie bei NSU wird offenbar. Wenn man jetzt bedenkt, dass Exner das Buch bereits vor 2 Jahren geschrieben hat...

 

Figuren: Meine Lieblinge sind Dr. Friedrich Niemeyer und Frieder Lachmann. Der erste ist Ermittlungsleiter, der zweite eigentlich nur eine Privatperson die in die Ermittlungen involviert wird.

Beide sind komplett unterschiedlich beschrieben, lassen sich somit leicht auseinanderhalten. Überhaupt sind die Protagonisten sauber vom Leser zu trennen.

Für Humor sind die Hinz und Kunz zuständig für Intrigen und Verrat andere. Noch während ich die Namen zum ersten Mal las, erfolgte die Einführung in den Habitus der Handelnden.

Cool gelöst, kenne ich aber auch schon von anderen Büchern des A.B. Exner. Der Entwicklung der Figuren zu folgen fiel mir immer leicht. Die Zeichnung der Handelnden ist für mich schlüssig. Das sind "normale" Menschen. Ja auch die Bösewichte dieses Buches verfolgen nur ihre Ziele. Menschlich eben.

 

Sprache/Duktus: Phasenweise nichts für schwache Nerven. Nie langatmig. Exner reduziert auf Handlung wenn es dessen bedarf. Er geht in die Beschreibung wenn es ihm zu Erläuterung der Handlung erforderlich schien. Klassische wörtliche Rede.

Auch in der Wortwahl lassen sich Figuren unterscheiden. Passt. Der Stil von Exner, der mich (durch "Traurige Strände") auf diesem Autor aufmerksam werden ließ, setzt sich hier fort. Zum Teil wird mit extrem kurzen Sätzen gearbeitet. Selten wird ausschweifend beschrieben, was sich am Ende des Satzes oder des Absatzes als logisch erweist. Exner greift in diesem Werk auf ein Stilmittel zurück, dass vor allem (Waffen)-technisch nicht versierte Leser die teils zu intensiven, technischen Erläuterungen schlicht überlesen lässt.

Er setzt auf Bilder! Starke Idee!

Struktur: Es gibt Bucheinteilungen (Teil I / Teil II usw.) die meinen Lesedrang allerdings nicht bremsen konnten.

 

 

 

 

 

 

Leseprobe Kollarealdesaster

 

 

 

 

Die Einteilung der wahrlich vielschichtigen Handlungsabschnitte und Orte wird pfiffig angekündigt.

Beispiele: -Magdeburg, zweiter Teil der Videokonferenz mit Jesper Gronsholm -Rostock, Bürogebäude am Werftdreieck -Dänemark, oberhalb des Hafens von Nakskov, ein einzeln stehendes Ferienhaus im Tårsvej So Exner führt den Leser.

Ich kam mit dem Aufbau des Buches sehr gut zurecht. Die wenigen Rückblenden werden angekündigt und sind nicht ablenkend.

 

Zusammenfassend: Dies sind die ersten Worte des Buches: "Sie führten ihre offensichtlichen Gegner wie Marionetten. Einen wirklichen Feind hatten sie dabei vergessen. Es wurde ein Desaster. Sie hatten einen kollateralen Schaden kalkuliert und provoziert. Es endete in einem Kollateraldesaster."

 

Der Reiz, der Wahnsinn dieses Buches ist die Rasanz. Dazu kommt die Aktualität. Das Offenbaren von Abgründen des Bösen (auf Seiten der Bösen) und des Ignoranten (auf Seiten der "Guten") gelingt Exner gut. Vergleichbar spannend ist für mich die Schreibe eines Follet oder Ingridasson.

Nach Schwächen gefragt kann ich nur sagen, dass es techniklastig ist, was jedoch in diesem Story-Kontext wohl nicht anders zu lösen war. Manche Personen, gerade bei den Bösen, hätte ich mir genauer beschrieben gewünscht.

 

Das Ende des Buches ist eine einzige kollektive Anklage gegen in Europa gewachsene Strukturen die oft eben erst zu spät, oder aber zu öberflächlich den Kampf gegen Kriminelle aufnehmen.

Aktuellstes Beispiel: Die Wiederaufnahme der Ermittlungen wegen des verheerenden Anschlages beim Münchner Oktoberfest 1980. Ein lesenswertes Buch. Eindeutige Empfehlung von mir. 5 Sterne

 

 

 

Thalia

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